seit Wochen wird in der Stadt über die Merseburger Straße diskutiert und am Mittwoch wird es wohl eine endgültige Abstimmung zu deren zukünftigen Gestaltung geben. Viele Meinungen wurden ausgetauscht wirklich gute Argumente für oder gegen den Ausbau gab es kaum.

Zeit sich umfassender mit dem Thema Mobilität und Infrastruktur zu beschäftigen. Als Landschaftsarchitekt gehört das quasi zu meinem Job. Ich verfolge die aktuellen Entwicklungen und Strömungen und schaue ganz genau welche Tendenzen in der Forschung verfolgt werden. So forscht das Fraunhofer Institut intensiv unter dem Motto “Die Morgenstadt”, schreibt sogar Wettbewerbe aus an denen sich Städte beteiligen können um so über die Art und Weise wie wir in Zukunft leben wollen nachzudenken. Andere Institute wie das CfM (Amadeus Center for Mobility Studies) an der Zeppelin Universität Friedrichshafen betreiben Studien zur Verkehrsinfrastruktur der Zukunft unter dem Schlagwort Erhalten-Gestalten-Vorausschauen.
Ein spannendes Feld welches sich da auftut und dem sich unsere Stadtplaner, so mein Gefühl, wenig widmen. Ein spannendes Feld zu dem die Gesellschaft und auch wir als Stadträtinnen und Stadträte wohl wenig Zugang suchen und finden. Manche Diskussion würde sicher anderes verlaufen und das bloße Festhalten am Status Quo würde durch eine facettenreiche Diskussion ersetzt werden können.

Die Mobilitätsentwicklung der vergangenen 65 Jahre hat unsere Stadtlandschaft vielfältig verändert. In der Regel nicht zu deren Vorteil. Die Städte haben in den Verkehrsschneisen, die Autobahnen, und Schienentragen geschlagen haben, an Lebensqualität eingebüßt. Ausgangszustand ist die Autostadt. Wo stehen wir und welche Strategien können Alternativen bieten ? Das Thema ist vielumfassend und darf auf keinen Fall unter dem eingeschränkten Blickwinkel der Zwei-oder Vierspurigkeit betrachtet werden.

Das politische Ziel den Klimaschutz und die Energiewende auch in den Städten umzusetzen (wer auf dem Neujahrsempfang der Leopoldina war hat auf imposante Art und Weise erfahren dürfen, dass dieses Ziel zwingend verfolgt werden muss) überlagert sich mit den klassischen, nach wie vor gültigen Zielen nach besserer Luft, weniger Lärm, mehr Sicherheit, mehr Flächen für Aufenthalt und Fußgänger und eine Finanzierung der Mobilität durch den Nutzer. Nur: Die Stadtbevölkerung muss mitspielen, sie ist letztlich der Entscheidungsträger, wie ein Angebot genutzt wird. Es gilt also die Bürgerinnen und Bürger von diesen Zielen zu überzeugen und sie bei der Entwicklung der Stadt miteinzubeziehen.

Klimaschutz bedeutet eine radikale Abkehr von den verbrennungsantrieben hin zu emissionsfreien Antrieben. Resultierend daraus bedarf es neuer Verkehrskonzepte für die Stadt der Zukunft, für die wir bereits heute die Weichen stellen können.

Treffen wir also am Mittwoch eine weitsichtige Entscheidung die auf einem fundiertes Wissen basieren muss, welches nur damit erreicht werden kann wenn man sich intensiv mit der Thematik beschäftig anstatt Stammtischparolen zu folgen und in die Welt zu schreien.

Aufbauend auf der von der Stiftung Marcator geförderten Untersuchung zu “Neuen Verkehrskonzepten für die Stadt der Zukunft” möchte ich 7 Strategien der Professoren Dr. Jörg Schönharting und Dipl.-Ing Stefan Wolter von der Transformation Research & Consulting GmBH Essen darstellen.

1. Nahversorgung an den Wohn- und Arbeitsplatzstandorten unterstützen

2. Stärkung des Radverkehrssystems

3. Nutzen statt Besitzen, Rent a Bike und Carsharing

4. Mobilität wird elektrisch

5. Flächenmanagement durch besseres Verkehrsmanagement

6. Der neue öffentlich Verkehr

7. Vernetzte Mobilität in einer vernetzten Stadt

Beschäftig man sich damit so kann man wirklich mit ganz ruhigem Gewissen am Mittwoch eine Zweispurigkeit der Merseburger Straße vertreten. Zu dieser Entscheidung ist ein gewisser Mut gefordert, denn es gilt eine bedarfsgerechte Verkehrsinfrastruktur zu entwickeln, die ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer Volkswirtschaft ist und bleibt. 

Viel Spaß bei der Recherche und für Mittwoch eine gute und weitsichtige  Entscheidung. Denn, und da gebe ich denen die an einer Vierspurgikeit festhalten recht, wir treffen eine Entscheidung für nächsten 50 -60 Jahre.

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